Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der sachlichen Einordnung ausgewählter wissenschaftlicher Untersuchungen. Er enthält keine Empfehlung zum Konsum und keine Garantie für Ertrag, Wirkstoffgehalt, Schimmelfreiheit oder Weitergabefähigkeit. Maßgeblich bleiben die gesetzlichen Vorgaben, behördlichen Auflagen und die chargenbezogene Qualitätskontrolle.
„Viel hilft viel“ – beim Düngen von Cannabis ist das ein verbreiteter Irrtum. Mehrere Forschungsgruppen in Deutschland, den USA, Kanada, Australien und Tschechien haben inzwischen gemessen, was zusätzliche Nährstoffe tatsächlich bewirken. Ihre Ergebnisse weisen in dieselbe Richtung:
- Mit einem Drittel weniger Dünger fast die gleiche CBD-Menge. An der Universität Hohenheim erreichte eine knapper versorgte Gruppe 95 Prozent der CBD-Menge der voll versorgten.[1]
- Mehr Phosphor brachte in den beschriebenen Versuchen keinen zusätzlichen Ertrag oder Cannabinoidgehalt, erhöhte aber den Phosphorgehalt im Ablaufwasser. In zwei Versuchen der Utah State University stiegen weder Ertrag noch Cannabinoidgehalt; in einem davon landete im Ablaufwasser zwölfmal so viel Phosphor.[2][3]
- In einem Versuch senkte eine hohe Stickstoffversorgung die Cannabinoidkonzentration. In einem australischen Versuch verdoppelte sich die Pflanzenmasse, der Cannabinoidgehalt fiel aber um rund zwei Drittel.[4]
- Mangel schadet trotzdem. Fehlte ein einzelner Nährstoff ganz, sank die Blütenmasse um bis zu 72 Prozent.[6]
Weniger Dünger, fast gleicher Ertrag
Ein Team der Universität Hohenheim bei Stuttgart düngte eine CBD-reiche Sorte während der Blüte in drei Stufen, jeweils mit mineralischem und mit organischem Dünger. Die mittlere Stufe kam mit einem Drittel weniger Nährstoffen aus als die höchste. Die Blüten wurden dabei etwas leichter, enthielten aber mehr CBD pro Gramm. Unter dem Strich standen 95 Prozent der CBD-Menge.[1]
In der Studie führte die mittlere Nährstoffstufe trotz geringerer Nährstoffzufuhr zu einer nahezu gleichen CBD-Menge; eine gezielte Verlagerung der Nährstoffe in die Blüten lässt sich daraus nicht sicher ableiten. Organischer Dünger schnitt dabei schlechter ab als mineralischer, weil die Nährstoffe zu spät verfügbar wurden.[1]
Phosphor: aufgenommen, aber nicht genutzt
Phosphor gilt in der Blütephase oft als besonders wichtig. Das Crop Physiology Laboratory der Utah State University hat das zweimal geprüft:
- Im ersten Versuch bekamen Pflanzen die einfache, doppelte oder dreifache Phosphormenge. Ertrag und Cannabinoidgehalt unterschieden sich nicht. Der Phosphor im Ablaufwasser stieg aber auf das Zwölffache. Bei der niedrigsten Gabe nutzten die Pflanzen 80 Prozent des Phosphors, bei der höchsten nur 31 Prozent.[3]
- Im zweiten Versuch gingen die Forscher noch weiter: bis zur sechsfachen Phosphormenge und zusätzlich doppelt so konzentrierte Nährlösung. Der Phosphorgehalt in den Blättern verdoppelte sich, in den Blüten stieg er um 70 Prozent; Ertrag und Cannabinoidgehalt unterschieden sich unter den untersuchten Bedingungen jedoch nicht signifikant. Sichtbare Schäden traten trotz der hohen Konzentrationen nicht auf.[2]
Das Fazit der Autoren für die untersuchten Versuchsbedingungen: Zusätzlicher Phosphor war für Ertrag und Cannabinoidgehalt nicht erforderlich, erhöhte aber den Phosphorgehalt im Ablaufwasser. Überschüssiger Phosphor belastet vor allem das Abwasser.[2][3]
Stickstoff: mehr Blatt, weniger Wirkstoff
An der Universität Tasmanien bekam eine CBD-Sorte zwölf Wochen lang vier verschiedene Stickstoffmengen. Mehr Stickstoff ließ vor allem die Blätter wachsen. Bei den Pflanzen mit dem doppelten Stickstoffgehalt im Gewebe verdoppelte sich die Pflanzenmasse – der Cannabinoidgehalt sank aber um rund zwei Drittel. Die höhere Stickstoffversorgung führte unter den Versuchsbedingungen trotz größerer Pflanzenmasse zu einer niedrigeren Cannabinoidkonzentration. Die Autoren bewerten hohe Stickstoffgaben unter den Bedingungen ihres Versuchs kritisch.[4]
Ein Nebenbefund desselben Versuchs: Pflanzen am sonnigen Rand des Gewächshauses hatten tendenziell mehr Masse und mehr Cannabinoide. Geplant war dieser Vergleich nicht – er zeigt aber, wie stark Licht neben dem Dünger mitspielt.[4]
Auch in Prag brachte eine gezielt angereicherte Nährlösung mit mehr Phosphor, Kalium und Eisen bei der Endernte keinen signifikanten Unterschied bei Blütenmasse oder Cannabinoidgehalt. Im Verlauf der Blüte gab es zeitweise Unterschiede; deutlicher wirkte sich das Bewässerungssystem aus.[5]
EC: wie viel Salz in der Nährlösung steckt
Der EC-Wert (elektrische Leitfähigkeit, in Millisiemens pro Zentimeter) ist ein Maß für die elektrische Leitfähigkeit der Nährlösung oder des Ablaufwassers und damit für die Konzentration elektrisch leitfähiger gelöster Stoffe; er lässt jedoch nicht unmittelbar auf deren Menge oder Nährstoffzusammensetzung schließen. Wie Cannabis auf unterschiedliche Werte reagiert, haben nur wenige Versuche geprüft:
- In einem niederländischen Versuch mit einer Sorte in Steinwolle wurden EC-Werte von 1,8 bis 12 mS/cm verglichen. Spross- und Blütengewicht sanken, sobald der EC über 3 mS/cm stieg. Die Gehalte an THC und CBD änderten sich nicht; die höchsten Cannabinoid-Erträge ergaben sich bei 1,8 und 3 mS/cm. Die Arbeit ist ein Tagungsbeitrag, keine Zeitschriftenstudie.[10]
- In Utah brachte eine Nachfülllösung mit 4 statt 2 mS/cm bei einer CBD-reichen Sorte in Hydrokultur weder einen signifikant anderen Ertrag noch andere Cannabinoidgehalte.[2]
- In einem kanadischen Versuch mit einer THC-reichen Sorte in Wasserkultur lag der EC der Lösungen zwischen 1,5 und 2,8 mS/cm. Der Ertrag reagierte auf Stickstoff und Phosphor, der Cannabinoidgehalt auf keine der geprüften Nährstoffstufen. Mitfinanziert wurde der Versuch von einem Cannabisunternehmen.[11]
- Mit organischem Dünger in Kokos stieg in einem weiteren kanadischen Versuch der Ertrag mit der Düngermenge, die THC-Konzentration in den Blüten sank dagegen.[12]
Einen allgemeingültigen EC-Zielwert liefern diese Versuche nicht; sie unterscheiden sich in Sorte, Substrat und Messpunkt.
Zum pH-Wert haben wir keine Studie gefunden, die ihn in der Nährlösung gezielt verändert und dabei Ertrag oder Cannabinoide gemessen hat. Im niederländischen Versuch ging ein pH-Wert über 7,5 im Wurzelraum mit niedrigen Phosphorwerten im Blatt einher.[10]
Mangel ist das andere Extrem
Dass Nährstoffe wichtig sind, zeigt ein Versuch der University of Guelph in Kanada: Dort wurde den Pflanzen jeweils ein einzelner Nährstoff komplett vorenthalten. Fehlte Stickstoff, Phosphor, Kalium, Calcium, Magnesium oder Schwefel, sank die Blütenmasse (frisch gewogen) um 33 bis 72 Prozent. Nur bei Eisen und Mangan gab es keinen deutlichen Rückgang.[6]
Wichtig für die Praxis: Die sichtbaren Symptome – gelbe oder fleckige Blätter – passten nicht immer zu den gemessenen Nährstoffwerten im Blatt.[6] Ein gelbes Blatt allein verrät also nicht sicher, welcher Nährstoff fehlt oder ob überhaupt einer fehlt.
Und Zusatzmittel?
Für Biostimulanzien und Bodenbakterien gibt es erste, uneinheitliche Ergebnisse. In einem australischen Versuch steigerte eine von zwei Mischungen den Ertrag deutlich, die andere nicht nachweisbar.[7] In einem kanadischen Versuch bildeten knapp versorgte Pflanzen mit bestimmten Wurzelbakterien mehr Trichome, normal versorgte dagegen eher weniger.[8] Belastbare Empfehlungen lassen sich daraus noch nicht ableiten.
Was die Studien nicht zeigen
Mehrere Versuche arbeiteten mit CBD-Sorten, meist mit einer einzigen Sorte und in Hydrokultur oder Topfkultur. Zwei der Phosphorstudien stammen aus derselben Arbeitsgruppe. Einen allgemein gültigen Düngeplan liefern die Studien nicht. Für die jeweils untersuchten Sorten, Anbausysteme und Versuchsbedingungen zeigen die beschriebenen Versuche jedoch überwiegend keinen zusätzlichen Ertrag durch eine über den Bedarf hinausgehende Nährstoffversorgung.
Was das für den Verein bedeutet
Dünger ist für einen Verein ein Kostenfaktor, und überschüssige Nährstoffe landen im Abwasser. Aus den Studien folgt praktisch:
- Düngergaben je Durchgang festhalten. Nur dann lassen sich Ertrag und Laborwerte später mit dem Dünger in Verbindung bringen.
- Mehr Dünger nicht pauschal als Lösung für Probleme beim Ertrag oder Cannabinoidgehalt ansehen. In den beschriebenen Phosphorversuchen änderten sich diese Messgrößen nicht signifikant, während eine hohe Stickstoffversorgung die Cannabinoidkonzentration senkte.
- Auffällige Blätter nicht allein nach Augenmaß deuten. Symptome und tatsächliche Nährstoffwerte passten in der Forschung oft nicht zusammen.
- EC und pH von Lösung und Ablauf festhalten. Einen allgemeingültigen Zielwert liefern die Studien nicht; eigene Messreihen machen Veränderungen über mehrere Durchgänge sichtbar.
Die gesetzliche Pflicht der Anbauvereinigung, regelmäßig Stichproben des angebauten Cannabis und des Vermehrungsmaterials zu nehmen und zu untersuchen (§ 18 Abs. 2 KCanG), bleibt davon unberührt.[9]
Häufige Fragen
Bringt mehr Dünger mehr Ertrag?
Nach den beschriebenen Versuchen führte eine über den Bedarf hinausgehende Düngung unter den jeweiligen Versuchsbedingungen nicht zu einem zusätzlichen Ertrag. In Utah brachte zusätzlicher Phosphor keinen Mehrertrag, in Tasmanien senkte mehr Stickstoff den Cannabinoidgehalt, in Hohenheim erreichte die mittlere Nährstoffstufe 95 Prozent der CBD-Menge der höchsten Stufe, und in Prag zeigte sich bei der Endernte kein signifikanter Unterschied bei Blütenmasse oder Cannabinoidgehalt.[1][2][4][5]
Braucht Cannabis in der Blüte besonders viel Phosphor?
In zwei Versuchen brachte zusätzlicher Phosphor weder mehr Ertrag noch mehr Cannabinoide.[2][3]
Woran erkenne ich Überdüngung?
Nicht allein zuverlässig an den Blättern: Sichtbare Symptome können Hinweise geben, erlauben aber keine sichere Bestimmung der Ursache; zudem zeigten Pflanzen in einem Versuch trotz sehr hoher Nährstoffkonzentration keine sichtbaren Schäden.[2]
Ist organischer Dünger unter den Bedingungen des Hohenheimer Versuchs besser?
Im Hohenheimer Versuch war die CBD-Menge bei organischer Düngung unter den dortigen Bedingungen niedriger; die Autoren führten dies auf eine verzögerte Nährstoffverfügbarkeit zurück.[1]
Was bringt Spülen mit Wasser vor der Ernte?
In einem US-Versuch mit zwei CBD-reichen Sorten in Torf änderte das Spülen mit Leitungswasser den THC-Gehalt nicht. Bei einer Sorte lag die Blütenmasse nach vier Wochen Spülen 22 Prozent unter der nach zwei Wochen.[13]
Quellen
- [1] · FachartikelCannabis Hunger Games: nutrient stress induction in flowering stage – impact of organic and mineral fertilizer levels on biomass, cannabidiol (CBD) yield and nutrient use efficiencyDOI 10.3389/fpls.2023.1233232Original beim Verlag ↗ ↑ zum Text
- [2] · FachartikelElevated root-zone P and nutrient concentration do not increase yield or cannabinoids in medical cannabisDOI 10.3389/fpls.2025.1433985Original beim Verlag ↗ ↑ zum Text
- [3] · FachartikelSustainable Cannabis Nutrition: Elevated root-zone phosphorus significantly increases leachate P and does not improve yield or qualityDOI 10.3389/fpls.2022.1015652Original beim Verlag ↗ ↑ zum Text
- [4] · FachartikelInvestigating how nitrogen nutrition and pruning impacts on CBD and THC concentration and plant biomass of Cannabis sativaDOI 10.1038/s41598-023-46369-5Original beim Verlag ↗ ↑ zum Text
- [5] · FachartikelEffect of augmented nutrient composition and fertigation system on biomass yield and cannabinoid content of medicinal cannabis (Cannabis sativa L.) cultivationDOI 10.3389/fpls.2024.1322824Original beim Verlag ↗ ↑ zum Text
- [6] · FachartikelFoliar Symptomology, Nutrient Content, Yield, and Secondary Metabolite Variability of Cannabis Grown Hydroponically with Different Single-Element Nutrient DeficienciesDOI 10.3390/plants12030422Original beim Verlag ↗ ↑ zum Text
- [7] · FachartikelComparison of two carbohydrate-based biostimulant complexes for their ability to enhance Cannabis sativa flower yield and qualityDOI 10.3389/fpls.2026.1842299Original beim Verlag ↗ ↑ zum Text
- [8] · FachartikelSub-optimal nutrient regime coupled with Bacillus and Pseudomonas sp. inoculation influences trichome density and cannabinoid profiles in drug-type Cannabis sativaDOI 10.3389/fpls.2023.1131346Original beim Verlag ↗ ↑ zum Text
- [9] · GesetzKonsumcannabisgesetz (KCanG), § 18Abruf 31.10.2026.Gesetzestext ↗ ↑ zum Text
- [10] · TagungsbeitragSalinity effects on yield and nutrient uptake in Cannabis sativa L.DOI 10.17660/ActaHortic.2023.1377.97Fundstelle: AbstractOriginal beim Verlag ↗ ↑ zum Text
- [11] · FachartikelOptimisation of nitrogen, phosphorus, and potassium for soilless production of Cannabis sativa in the flowering stage using response surface analysisDOI 10.3389/fpls.2021.764103Fundstelle: Tab. 5, 6; DiskussionOriginal beim Verlag ↗ ↑ zum Text
- [12] · FachartikelOptimal rate of organic fertilizer during the flowering stage for cannabis grown in two coir-based substratesDOI 10.21273/HORTSCI12401-17Fundstelle: AbstractOriginal beim Verlag ↗ ↑ zum Text
- [13] · FachartikelExploring the Legacy Practice of Flushing in Controlled-environment Production of High-CBD Cannabis (Cannabis sativa)DOI 10.21273/HORTSCI18752-25Fundstelle: ErgebnisseOriginal beim Verlag ↗ ↑ zum Text
Die Studienergebnisse werden hier ausschließlich beschreibend wiedergegeben. Werbung und jede Form des Sponsorings für Cannabis und Anbauvereinigungen sind verboten (§ 6 KCanG).
Quellen- und Redaktionsstand: 04.11.2026. Die genannten Studien beschreiben die Bedingungen ihrer Versuche; Ergebnisse lassen sich nicht ohne Weiteres auf jede Anlage übertragen. Diese Seite ersetzt keine Beratung und keine Prüfung des eigenen Betriebs.
