Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der sachlichen Einordnung ausgewählter wissenschaftlicher Untersuchungen. Er enthält keine Empfehlung zum Konsum und keine Garantie für Ertrag, Wirkstoffgehalt, Schimmelfreiheit oder Weitergabefähigkeit. Maßgeblich bleiben die gesetzlichen Vorgaben, behördlichen Auflagen und die chargenbezogene Qualitätskontrolle.
Steinwolle, Kokos und Torf werden im Anbau unter sehr unterschiedlichen Bedingungen eingesetzt, und über das passende Substrat gehen die Meinungen auseinander. Die Studienlage ist schmaler als die Debatte. Mehrere der ausgewerteten Versuche stammen von einer Arbeitsgruppe der Universität Hohenheim und wurden mit CBD-reichen Sorten durchgeführt. Was die Untersuchungen unter ihren jeweiligen Versuchsbedingungen zeigen:
- Kein signifikanter Ertragsunterschied in drei Substraten. In einem Gewächshausversuch mit einer CBD-Sorte unterschieden sich Blütenertrag und CBD-Gehalt zwischen Steinwolle, Torf-Perlite und Kokos nicht signifikant. Das Wachstum von Blättern und Stängeln unterschied sich jedoch; die Autoren führen das auf Wasserhaltefähigkeit und Bewässerungsmanagement zurück.[1]
- Die Sorte kann den Ausschlag geben. Im Indoor-Topfversuch brachte eine Sorte in Kokos weniger als halb so viel Blüte wie in Torf, eine andere Sorte blieb in allen Substraten stabil.[2]
- Weniger Wasser, gleicher Ertrag, unter Versuchsbedingungen. Moderate Trockenheit senkte in einem Indoor-Versuch mit zwei CBD-Sorten den Wasserverbrauch ohne Einbußen bei Biomasse oder CBD-Ertrag; starke Trockenheit brachte keinen Vorteil.[4]
- Trockenstress: widersprüchliche Befunde zum Cannabinoidgehalt. Eine Studie fand nach gezieltem Trockenstress mehr Cannabinoide, eine andere weniger. Die Ergebnisse hängen von Sorte, Zeitpunkt und Stärke ab.[3][5]
Steinwolle, Kokos, Torf: Kein signifikanter Ertragsunterschied, aber anderes Wachstum
In Hohenheim wuchs eine CBD-reiche Sorte im Gewächshaus parallel in Steinwolle, Torf mit Perlite und Kokos. Am Ende unterschieden sich Blütenertrag, CBD-Ertrag und CBD-Gehalt statistisch nicht. Unterwegs schon: In Torf-Perlite bildeten die Pflanzen weniger Blattfläche sowie weniger Blatt- und Stängelmasse, in Steinwolle wuchsen sie durchgehend am schnellsten. Die Autoren erklären die Unterschiede mit der unterschiedlichen Wasserhaltefähigkeit der Substrate und der jeweiligen Bewässerung.[1]
Für die Praxis legt der Versuch nahe, Substrat und Bewässerung gemeinsam zu betrachten; eine allgemein beste Kombination belegt er nicht. Steinwolle, Torf und Kokos halten Wasser unterschiedlich, deshalb gehören bei einem Substratwechsel auch Gießmenge und Gießabstand auf den Prüfstand.
Die Sorte reagiert mit
Eine ältere Studie derselben Gruppe verglich zwei CBD-reiche Sorten im Indoor-Topfanbau in Torf, Torf mit 30 Prozent Grünfaser und Kokos. Bei der einen Sorte lag der Blütenertrag in Kokos bei 3,84 Gramm pro Pflanze, in Torf bei 8,56 Gramm. Die andere Sorte brachte in allen Substraten stabil zwischen 7,90 und 9,19 Gramm. Der CBD-Gehalt blieb in allen Varianten gleich.[2] Die Erträge sind als Versuchsergebnisse aus einem kleinen Versuchsmaßstab einzuordnen und nicht ohne Weiteres auf betriebliche Erträge übertragbar. Für die beiden untersuchten Sorten zeigt der Versuch: Wie der Ertrag auf einen Substratwechsel reagiert, kann sich je nach Sorte unterscheiden.
Die hier ausgewertete Studie zum pH-Wert des Substrats betraf Nutzhanf. Unter pH 5 war das Wachstum gehemmt; ein optimaler pH-Bereich für Cannabis lässt sich daraus nicht ableiten.[7]
Weniger gießen: was moderate Trockenheit zeigt
Die ausführlichste hier ausgewertete Studie zur Wasserversorgung stammt aus einem Indoor-Anbauraum der Universität Hohenheim. 88 Pflanzen zweier CBD-Sorten standen in 4,5-Liter-Töpfen mit Torf und Perlite. Die Kontrolle wurde bei 60 bis 80 Prozent der Containerkapazität gehalten. In den Gruppen mit moderatem Trockenstress trocknete das Substrat auf 20 bis 30 Prozent ab und wurde dann täglich mit 50 bis 150 Millilitern aufgefüllt, je nach Variante früh, mitten oder spät in der Blüte. Bei starkem Stress wurde bis zum Welken gar nicht gegossen.[4]
Moderater Trockenstress senkte den Wasserverbrauch, ohne Biomasse oder CBD-Ertrag zu verringern. Starker Trockenstress verschlechterte die Pflanzen und brachte keinen Vorteil; bei einer Sorte halbierte sich die Blattfläche, wenn der Stress spät kam. Die Sorte beeinflusste Ertrag und Cannabinoide stärker als das Gießregime.[4] Wie viel Wasser genau gespart wurde, beziffern die Autoren nicht. Sie halten Versuche mit THC-Sorten für nötig.
Trockenstress und Cannabinoidgehalt: widersprüchliche Ergebnisse
Eine kanadische Studie entzog Pflanzen in Woche 7 der Blüte das Düngerwasser, bis nach 11 Tagen ein definierter Stresspunkt erreicht war. Danach lagen THCA um 12 Prozent und CBDA um 13 Prozent über der Kontrolle; je Anbaufläche war die Menge an THCA um 43 Prozent und an CBDA um 47 Prozent höher.[3] Nach Angaben einer späteren Arbeit handelte es sich um eine Sorte mit annähernd ausgeglichenem THC- und CBD-Gehalt, nicht um eine THC-dominante Sorte. Gesteuert wurde der Stress über Messungen des Wasserpotenzials der Pflanze, und die Fotosynthese lag am Stresspunkt 42 Prozent unter der Kontrolle. Die Autoren schreiben selbst, dass die Ergebnisse je nach Sorte und Chemotyp anders ausfallen können.[3]
Eine brasilianische Studie kam an zwei Klonen im Gewächshaus zum Gegenteil: Wassermangel ab Blühbeginn senkte den THC- und CBD-Gehalt bei beiden Klonen. Beim CBD-Klon sank zusätzlich die Blütenmasse um 32 Prozent, beim THC-Klon blieb die Verteilung auf die Blüten stabil.[5] Ob die Unterschiede am Cannabinoidprofil oder an den beiden Klonen liegen, lässt die Studie offen.
Gezielter Trockenstress ist damit keine verlässlich belegte Methode, um mehr Wirkstoff zu erzielen. Starker Trockenstress brachte in den Versuchen dagegen Nachteile oder keinen Vorteil.
Bewässerungssystem und Ablaufwasser
Ob Nährlösung wiederverwendet oder nach dem Durchlauf verworfen wird, haben Studien an Cannabis kaum verglichen. In einem Prager Versuch brachte ein geschlossenes System mit wiederverwendeter Nährlösung zum dort untersuchten Erntezeitpunkt einen höheren THC-Gesamtertrag als ein offenes System.[6] Rezirkulierte Nährlösung gilt allerdings auch als möglicher Eintragsweg für Erreger von Wurzelfäule. Eine allgemeine Empfehlung für oder gegen die Wiederverwendung lässt sich aus diesen Befunden nicht ableiten.
Zu Gießhäufigkeit, Ablaufmenge und Topfgröße bei THC-Sorten im Indoor-Anbau lag für diesen Beitrag keine begutachtete Vergleichsstudie vor.
Was die Studien nicht zeigen
Ein erheblicher Teil der Daten stammt von CBD-reichen Sorten; mehrere Studien wurden von einer Arbeitsgruppe durchgeführt, und viele Versuche fanden im Gewächshaus oder unter kontrollierten Indoor-Bedingungen statt. Für THC-dominante Sorten unter Indoor-Bedingungen lag zu Trockenstress keine begutachtete Vergleichsstudie vor. Die Ergebnisse zum Trockenstress widersprechen sich und hängen stark von der Sorte ab. Zu Ablaufmenge, Gießhäufigkeit und Topfgröße fehlen Vergleichsversuche. Für die Bewurzelung von Stecklingen ergeben Studien zu Substraten widersprüchliche Bilder.
Was das für den Verein bedeutet
Anbauvereinigungen müssen beim gemeinschaftlichen Eigenanbau die Grundsätze der guten fachlichen Praxis einhalten (§ 17 Abs. 3 KCanG). Eine konkrete Vorgabe für ein bestimmtes Substrat oder Bewässerungsregime ergibt sich daraus nicht.[8] Aus den Studien lassen sich folgende Vorsichtsmaßnahmen ableiten; ihre Wirksamkeit im Vereinsalltag ist nicht vergleichend untersucht:
- Substrat und Bewässerung gemeinsam planen. Bei einem Substratwechsel Gießmenge und Gießabstand überprüfen und die ersten Durchgänge eng beobachten.
- Neue Sorten zunächst im erprobten Substrat anbauen. Das ist betriebliche Vorsicht; wie eine Sorte auf ein anderes Substrat reagiert, zeigt sich erst im eigenen Durchgang.
- Trockenstress nicht gezielt zur Wirkstoffsteigerung einsetzen. Die Ergebnisse sind widersprüchlich, und starker Stress brachte in den Versuchen keinen Vorteil.
- Bewässerung dokumentieren. Gießmenge, Ablauf sowie EC und pH je Bereich festhalten; so lassen sich Unterschiede zwischen Durchgängen später besser nachvollziehen.
Häufige Fragen
Welches Substrat ist für Cannabis am besten?
Ein bestes Substrat lässt sich aus den Studien nicht ableiten. Im Gewächshausvergleich unterschieden sich Blütenertrag, CBD-Ertrag und CBD-Gehalt zwischen Steinwolle, Torf-Perlite und Kokos nicht signifikant; Unterschiede im Wachstum führten die Autoren auf Wasserhaltefähigkeit und Bewässerung zurück.[1] Im Indoor-Versuch hing die Wirkung des Substrats von der Sorte ab.[2]
Kann Trockenstress vor der Ernte den THC-Gehalt zuverlässig erhöhen?
Nicht verlässlich. Eine Studie fand nach kontrolliertem Trockenstress mehr THCA und CBDA, eine andere bei beiden untersuchten Klonen weniger THC und CBD.[3][5]
Kann man mit weniger Wasser gleich viel ernten?
In einem Indoor-Versuch mit zwei CBD-Sorten blieben Biomasse und CBD-Ertrag bei moderatem Trockenstress erhalten; starke Trockenheit brachte keinen Vorteil.[4] Auf THC-Sorten und andere Anbaubedingungen lässt sich das nicht ohne Weiteres übertragen.
Quellen
- [1] · FachartikelGrowth dynamics and yield formation of Cannabis (Cannabis sativa) cultivated in differing growing media under semi-controlled greenhouse conditionsDOI 10.1016/j.indcrop.2023.117172Fundstelle: Abstract; HighlightsOriginal beim Verlag ↗ ↑ zum Text
- [2] · FachartikelImpact of Different Growing Substrates on Growth, Yield and Cannabinoid Content of Two Cannabis sativa L. Genotypes in a Pot CultureDOI 10.3390/horticulturae6040062Fundstelle: AbstractOriginal beim Verlag ↗ ↑ zum Text
- [3] · FachartikelIncreasing Inflorescence Dry Weight and Cannabinoid Content in Medical Cannabis Using Controlled Drought StressDOI 10.21273/HORTSCI13510-18Fundstelle: AbstractOriginal beim Verlag ↗ ↑ zum Text
- [4] · FachartikelLess water, same buds: moderate drought as a water-saving strategy for indoor cannabisDOI 10.3389/fpls.2026.1930650Fundstelle: Abstract; Material und Methoden; ErgebnisseOriginal beim Verlag ↗ ↑ zum Text
- [5] · FachartikelGenotypic Variation in Photosynthesis and Biomass Partitioning Underlies Agronomic Performance and Cannabinoid Profile in Cannabis sativa Under DroughtDOI 10.3390/plants14243840Fundstelle: ErgebnisseOriginal beim Verlag ↗ ↑ zum Text
- [6] · FachartikelEffect of augmented nutrient composition and fertigation system on biomass yield and cannabinoid content of medicinal cannabis (Cannabis sativa L.) cultivationDOI 10.3389/fpls.2024.1322824Fundstelle: AbstractOriginal beim Verlag ↗ ↑ zum Text
- [7] · FachartikelImpact of substrate pH and micronutrient fertility rates on Cannabis sativaDOI 10.1002/agg2.70044Fundstelle: AbstractOriginal beim Verlag ↗ ↑ zum Text
- [8] · GesetzKonsumcannabisgesetz (KCanG), § 17Abruf 03.11.2026.Gesetzestext ↗ ↑ zum Text
Die Studienergebnisse werden hier ausschließlich beschreibend wiedergegeben. Werbung und jede Form des Sponsorings für Cannabis und Anbauvereinigungen sind verboten (§ 6 KCanG).
Quellen- und Redaktionsstand: 04.11.2026. Die genannten Studien beschreiben die Bedingungen ihrer Versuche; Ergebnisse lassen sich nicht ohne Weiteres auf jede Anlage übertragen. Diese Seite ersetzt keine Beratung und keine Prüfung des eigenen Betriebs.
