Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der sachlichen Einordnung ausgewählter wissenschaftlicher Untersuchungen. Er enthält keine Empfehlung zum Konsum und keine Garantie für Ertrag, Wirkstoffgehalt, Schimmelfreiheit oder Weitergabefähigkeit. Maßgeblich bleiben die gesetzlichen Vorgaben, behördlichen Auflagen und die chargenbezogene Qualitätskontrolle.
Schädlinge können im Cannabisanbau erhebliche Probleme verursachen. Die Forschung dazu steht noch am Anfang; die meisten Versuche stammen aus Nordamerika und wurden mit Hanf durchgeführt. Einige Ergebnisse sind trotzdem aufschlussreich:
- In einer US-amerikanischen Gewächshausstudie wurden die Gemeine Spinnmilbe, die Hanf-Rostmilbe, die Weichhautmilbe und die Hanfblattlaus als besonders bedeutende Schädlinge untersucht.[1]
- In einem Versuch senkte das eingesetzte Insektizid die gemessenen Cannabinoid- und Terpengehalte deutlich; der untersuchte Pilz hielt die Blattläuse vergleichbar gut in Schach, ohne dass in dieser Studie eine entsprechende Verringerung der Gehalte beobachtet wurde.[2]
- Natürliche Gegenspieler können in Anbaubeständen bereits vorhanden sein. In argentinischen Hausgärten parasitierten Schlupfwespen über zwei Saisons regelmäßig Blattläuse an Cannabis.[3]
- Blattläuse können das Hop Latent Viroid aufnehmen – ob sie es weitergeben, ist offen.[4]
Welche Schädlinge eine Rolle spielen
Ein Team der North Carolina State University nennt vier Schädlinge als die bedeutendsten im Gewächshaus: die Gemeine Spinnmilbe (Tetranychus urticae), die Hanf-Rostmilbe (Aculops cannabicola), die Weichhautmilbe (Polyphagotarsonemus latus) und die Hanfblattlaus (Phorodon cannabis). Typische Schäden durch Milben und Blattläuse: gewölbte und vergilbende Blätter, Blattfall sowie weniger Blüte und Harz.[1]
Dieselbe Gruppe hat gemessen, was starker Spinnmilbenbefall an den Cannabinoiden ändert. Im ersten Versuchsjahr stiegen die Cannabinoidgehalte bei stark befallenen Pflanzen langsamer als bei unbefallenen. Im zweiten Jahr gab es beim THC keinen signifikanten Unterschied.[1] Die Folgen für die Wirkstoffgehalte sind somit nicht eindeutig; starker Befall kann jedoch Ertrag und Blattgesundheit beeinträchtigen.
Ein Nebenbefund dieser Studie ist für die Qualitätssicherung interessant: Proben einzelner Pflanzen ergaben ähnliche Gehalte wie Mischproben aus fünf Pflanzen.[1]
Blattläuse: Pilz gegen Insektizid
An der University of Lethbridge in Kanada wurde die Hanfblattlaus an drei Sorten im Gewächshaus untersucht. Verglichen wurde die Bekämpfung mit einem Insektizid und mit dem natürlich vorkommenden Pilz Beauveria bassiana, der Insekten befällt:[2]
- Beide Behandlungen hielten die Blattläuse neun Wochen lang nahe null; unbehandelte Pflanzen hatten starken Befall.
- Mit dem Insektizid behandelte Pflanzen hatten deutlich weniger Cannabinoide und Terpene.
- Mit dem Pilz behandelte Pflanzen hatten höhere Gehalte als die Insektizid-Gruppe – bei zwei von drei Sorten sogar höhere als unbehandelte Pflanzen.
- Die Sorten waren unterschiedlich anfällig.
Im Labor tötete der Pilz bei hoher Konzentration innerhalb von zehn Tagen alle Blattläuse.[2]
Natürliche Gegenspieler
In Argentinien wurden über zwei Anbausaisons 101 CBD-Pflanzen in 20 Haushalten wöchentlich auf Blattläuse und ihre Gegenspieler untersucht. Gefunden wurden fünf Blattlaus- und fünf Schlupfwespenarten. Aus 90,5 Prozent der gesammelten Blattlausmumien – von Schlupfwespen befallener, abgestorbener Läuse – schlüpften die eigentlichen Gegenspieler und nicht deren eigene Parasiten. Die Autoren sehen darin eine Grundlage, Nützlinge gezielt zu fördern.[3]
Schädlinge und Pflanzenkrankheiten
Blattläuse sind auch im Zusammenhang mit dem Hop Latent Viroid untersucht worden, einer im Cannabisanbau relevanten Pflanzenkrankheit. In einem kanadischen Versuch nahmen Blattläuse das Viroid von infizierten Pflanzen auf: Bei der Hanfblattlaus waren vier von acht Gruppen positiv. Dass sie es auf gesunde Pflanzen übertragen, wurde nicht nachgewiesen.[4]
Was die Studien nicht zeigen
Zu Thripsen, Trauermücken und Weißen Fliegen an Cannabis haben wir keine passenden Versuche gefunden. Die vorhandenen Studien arbeiteten überwiegend mit Hanf oder CBD-Sorten, oft in einem Betrieb und mit wenigen Sorten; nur der kanadische Blattlausversuch schloss auch eine THC-Sorte ein. Ob sein Ergebnis für andere Insektizide gilt, ist offen. Vergleiche von Bekämpfungsmethoden über mehrere Betriebe hinweg fehlen.
Was das für den Verein bedeutet
Schädlingsbefall kann Ertrag und Qualität mindern. Behandlungen mit Pflanzenschutz- oder Schädlingsbekämpfungsmitteln können Rückstände hinterlassen; für Anbauvereinigungen sind deshalb insbesondere die Anforderungen an die gute fachliche Praxis, die Minimierung von Gesundheitsrisiken, die Stichprobenuntersuchung und die Weitergabefähigkeit nach §§ 17 und 18 KCanG zu beachten.[5] Aus den Studien folgt praktisch:
- Bestände regelmäßig kontrollieren und Befall mit Datum, Ort und Foto festhalten. Früh erkannte Herde lassen sich leichter eingrenzen.
- Jede Behandlung dokumentieren – was, wann, wo. Das ist die Grundlage, um Laborbefunde später richtig einzuordnen.
- Sortenunterschiede beobachten. Wenn eine Sorte immer wieder stärker befallen ist, ist das ein Argument bei der Sortenwahl.
- Neue Stecklinge vor dem Einbringen auf Schädlinge prüfen.
Häufige Fragen
Welche Schädlinge sind bei Cannabis am häufigsten?
In einer US-amerikanischen Gewächshausstudie wurden vor allem die Gemeine Spinnmilbe, die Hanf-Rostmilbe, die Weichhautmilbe und die Hanfblattlaus untersucht.[1]
Schaden Spinnmilben dem THC-Gehalt?
Die Ergebnisse sind uneinheitlich: In einem Versuchsjahr stiegen die Cannabinoide bei starkem Befall langsamer, im anderen gab es beim THC keinen Unterschied.[1]
Gibt es biologische Mittel gegen Blattläuse?
In einem kanadischen Gewächshausversuch hielt Beauveria bassiana die Blattläuse ähnlich wirksam in Schach wie das untersuchte Insektizid; eine entsprechende Verringerung der gemessenen Cannabinoid- und Terpengehalte wurde in diesem Versuch bei der Pilzbehandlung nicht beobachtet.[2]
Was hilft gegen Thripse?
Dazu haben wir keine Studien an Cannabis gefunden.
Quellen
- [1] · FachartikelAssessing the impact of piercing-sucking pests on greenhouse-grown industrial hemp (Cannabis sativa L.)DOI 10.1093/ee/nvad044Original beim Verlag ↗ ↑ zum Text
- [2] · FachartikelEntomopathogenic Fungi Effectively Control Phorodon cannabis Aphid Population in Cannabis sativa PlantsDOI 10.3390/plants14060931Original beim Verlag ↗ ↑ zum Text
- [3] · FachartikelAphid-parasitoid interactions and their contribution to biological control in medicinal Cannabis sativa L. cropsDOI 10.1002/ps.70996Original beim Verlag ↗ ↑ zum Text
- [4] · FachartikelAcquisition of hop latent viroid from viroid-infected cannabis plants by rice root aphids and cannabis aphidsDOI 10.1007/s00705-025-06422-2Original beim Verlag ↗ ↑ zum Text
- [5] · GesetzKonsumcannabisgesetz (KCanG), §§ 17, 18Abruf 31.10.2026.Gesetzestext ↗ ↑ zum Text
Die Studienergebnisse werden hier ausschließlich beschreibend wiedergegeben. Werbung und jede Form des Sponsorings für Cannabis und Anbauvereinigungen sind verboten (§ 6 KCanG).
Quellen- und Redaktionsstand: 04.11.2026. Die genannten Studien beschreiben die Bedingungen ihrer Versuche; Ergebnisse lassen sich nicht ohne Weiteres auf jede Anlage übertragen. Diese Seite ersetzt keine Beratung und keine Prüfung des eigenen Betriebs.
