Wir bauen Software für Anbauvereinigungen von der Pflanze her. Jede Pflanze hat einen eigenen Verlauf, vom Samen oder Steckling bis zur Weitergabe an ein Mitglied. Räume, Geräte, Aufgaben und Mitglieder sind diesem Verlauf zugeordnet, nicht umgekehrt.
Zwei Arten, einen Verein abzubilden
Software für eine Anbauvereinigung kann beim Verein beginnen. Dann stehen Mitgliederliste, Beiträge und Ausgabemengen im Zentrum, also das, was am KCanG zuerst sichtbar wird. Der Anbau wird zum Nebenbereich: ein Gießprotokoll, ein paar Fotos, eine Checkliste für die Ernte.
Das reicht, solange niemand fragt, woher eine bestimmte Menge stammt. Dann muss der Verein zwei getrennte Bereiche wieder zusammensetzen.
Wir haben es umgekehrt gebaut.
Der Lebenslauf einer Pflanze
Eine Pflanze beginnt mit einer Herkunft: Samen oder Steckling, von wem und wann erhalten. Sie bekommt einen Standort und eine eigene Kennung. Während des Anbaus sammeln sich Arbeiten, Messwerte und gegebenenfalls Befunde an ihr. Mit der Ernte geht sie, meist zusammen mit anderen Pflanzen, in eine Charge ein. Die Charge wird geprüft und an Mitglieder weitergegeben oder vernichtet. Die Abgabe ist darin kein eigenes Formular, sondern die letzte Station.
Das KCanG schreibt kein bestimmtes Datenmodell vor. Es verlangt aber Aufzeichnungen, die ausdrücklich der Rückverfolgbarkeit des weitergegebenen Cannabis und Vermehrungsmaterials dienen (§ 26 Abs. 1). Weiß oder vermutet der Verein, dass weitergegebenes Cannabis ein Gesundheitsrisiko darstellt, das über die typischen Gefahren des Konsums hinausgeht, muss er unverzüglich die Behörde informieren. Zugleich muss er die erforderlichen Maßnahmen treffen, insbesondere die Mitglieder informieren und das betroffene Cannabis zurückrufen, zurücknehmen und vernichten (§ 26 Abs. 4). Wer die Pflanze in den Mittelpunkt stellt, hat diese Zusammenhänge im Ernstfall schon beisammen und muss sie nicht erst rekonstruieren.
Ein Prinzip aus dem Anlagenbau
Ein vergleichbares Prinzip findet sich im Maschinen- und Anlagenbau. Software für den Betrieb einer Anlage stellt die Anlage selbst in den Mittelpunkt: Inbetriebnahme, Wartungen, Störungen, ausgetauschte Teile. Alles Weitere, von Serviceeinsätzen bis zur Abrechnung, ist um sie herum gebaut. Für eine Anbauvereinigung ist die Pflanze, was für den Maschinenbauer die Anlage ist.
Wie wir das für Anbauvereinigungen eingerichtet haben
Im Portal kann jede erfasste Pflanze eine eigene Kennung erhalten. Herkunft, Standort, ausgeführte Arbeiten und Messwerte sind ihr zugeordnet. Die Arbeiten folgen den Arbeitsanweisungen des Vereins. An jeder erledigten Aufgabe bleibt erkennbar, nach welcher Fassung gearbeitet wurde.
Ernte und Charge sind verbunden: Der Verlauf der geernteten Pflanzen bleibt der Charge zugeordnet. Die Weitergabe an ein Mitglied wird mit der Charge erfasst. Befunde, Quarantäne und Vernichtung werden als zusammenhängender Vorgang dokumentiert, die Vernichtung mit Zeuge und Nachweis.
Mit der Auswertung über mehrere Durchgänge, die als Erweiterung erhältlich ist, lassen sich Pflanzen, Sorten und Räume miteinander vergleichen, statt nur Notizen nachzulesen.